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Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hat ihren Namen nicht umsonst. Ähnlich wie die Drüsen in der Mundhöhle produziert sie eine schleimhaltige Flüssigkeit, die Nährstoffe aufschließt. Dieser Pankreassaft wird in den Zwölffingerdarm abgegeben, an den die Bauchspeicheldrüse angrenzt. Der Grund, warum das Organ transplantiert wird, geht jedoch auf eine andere Funktion der Drüse zurück. Etwa zwei Prozent ihrer Zellen bilden Insulin. Das Hormon gelangt ins Blut und beeinflusst den Stoffwechsel auf vielerlei Art. Aber eine Eigenschaft ist unersetzbar: die Senkung des Blutzuckerspiegels. Zellen im Pankreas melden außerdem wie eine Messstation, wenn der Zuckergehalt im Blut ansteigt. Oberhalb einer Schwelle reagiert die Drüse mit verstärkter Sekretion von Insulin. Bei Diabetikern, die schon seit der Kindheit oder Jugend zuckerkrank sind (Diabetes mellitus Typ I), funktionieren die insulinproduzierenden Langerhans-Zellen nicht richtig. Haben Diabetiker Kohlenhydrate zu sich genommen, steigt der Blutzuckerspiegel, ohne dass der Körper effektiv gegenregulieren könnte. Es sammeln sich Stoffwechselprodukte an, die akute Krankheitssymptome wie Bewusstlosigkeit hervorrufen, aber auch Spätschäden an Nerven und Blutgefäßen verursachen. Die Nieren, wo die Gefäße der Filterfunktion wegen mechanisch besonders beansprucht werden, versagen schließlich. Die Patienten brauchen eine künstliche Niere, die Dialyse. Die Injektion von Insulin ist für Zuckerkranke lebensrettend. Sie vermag aber bei etwa der Hälfte der Betroffenen Spätkomplikationen nicht zu vermeiden. Der Grund: Die Feineinstellung des Blutzuckers, wie sie durch die Mess- und Hormonproduktionseinheit Pankreas erfolgt, gelingt mit technischen Mitteln nicht so gut. Schon Ende des 19. Jahrhunderts, als bekannt wurde, dass der Funktionsausfall von Pankreaszellen zu Diabetes führt, vermuteten Ärzte daher, dass Zuckerkranken mit einer Pankreas-Transplantation geholfen werden könnte. Aber erst Ende der sechziger Jahre gelang die erste erfolgreiche Übertragung der Drüse in den USA. Dennoch hat sich die Pankreastransplantation erst seit Ende der achtziger Jahre zu einer etablierten Heilmethode bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) entwickeln können. Weltweit wurden bisher circa 9000 Bauchspeicheldrüsen verpflanzt, davon etwa 1200 allein 1995 und 1996. In der Bundesrepublik nimmt die Zahl der Pankreasübertragungen ebenfalls seit drei Jahren stark zu und ist von 63 im Jahr 1995 auf 146 im Jahr 1997 gestiegen. Die Pankreastransplantation wird überwiegend zusammen mit einer Nierenverpflanzung bei Patienten vorgenommen, die als Folge eines Diabetes mellitus ein endgültiges Nierenversagen haben. Die Risiken der Immunsuppression scheinen den Experten nur dann vertretbar zu sein, wenn gleichzeitig auch die Niere verpflanzt wird. Die Indikation für die Pankreastransplantation könnte sich in Zukunft aber ausweiten. Die Durchführung ist recht kompliziert, unter andern, weil das Organ sehr empfindlich auf mechanische Verletzung und Sauerstoffunterversorgung reagiert. Wie bei der Nierentransplantation bleibt das kranke Organ des Empfängers an Ort und Stelle, das gesunde kommt hinzu und wird entweder in die Bauchhöhle verpflanzt oder wie die Niere außerhalb der Bauchhöhle positioniert. Da nur die Produktion von Insulin, nicht aber die des Pankreassaftes ersetzt werden soll, sind früher die Gänge, die die Verdauungssekrete ableiten, mit flüssigem Kunststoff ausgegossen und auf diese Weise verstopft worden. So wurde das umliegende Gewebe vor dem Angriff durch die Verdauungsenzyme geschützt. Später hat man den Pankreassaft in die Harnblase geleitet. Diese Technik wird bis heute wohl am häufigsten verwendet. Es gibt aber einen neuen Trend, bei dem versucht wird, operativ die natürlichen Verbindungen, die der Pankreas zu den anderen Verdauungsprobleme zu vermeiden. Zu den häufigsten Komplikationen nach der Operation gehören Abstoßungsreaktionen, Entzündungen (Pankreatitis) und hartnäckige Harnwegsinfekte. Die Verpflanzungen der Bauchspeicheldrüse ist bisher das einzige Verfahren, mit dem sich die Ursache des Typ-I-Diabetes beseitigen lässt. Die Hoffnung ist, dass bei einer simultanen Übertragung beider Organe die Patienten nicht nur ohne künstliche Niere auskommen, sondern auch Spätfolgen der Zuckerkrankheit (zum Beispiel Erblindung) verhindert werden. Bis Mitte der 90er Jahre wurden Pankreas und Niere meist Diabetikern übertragen, die schon dialysepflichtig waren. Jetzt versucht man aber auch Patienten zu behandeln, die noch ohne maschinelle Blutwäsche auskommen, aber mit Insulin schwer einstellbar sind und mit großer Wahrscheinlichkeit ohne eine Transplantation Spätschäden bekommen würden. Auch bei der Pankreastransplantation gilt es, den zu erwartenden Nutzen für den Empfänger gegenüber Nachteilen und Risiken, wie sie eine lebenslange Immunsuppression mit sich bringt, abzuwägen. Im internationalen Durchschnitt funktionieren ein Jahr nach dem Eingriff noch 76 Prozent der Bauchspeicheldrüsen, nach fünf Jahren sind es etwa 65. Einzelne Zentren berichten über Ein-Jahres-Funktionsraten von mehr als 80 Prozent und Fünf-Jahres-Funktionsraten von 70 Prozent, teilweise unter Einsatz neuerer Substanzen bei der Basisimmunsuppression. |