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Die Leber zu verpflanzen ist technisch schwierig, weil ein dichtes Netz von Adern und Gallengängen sie durchzieht und die Gefäße zudem sehr empfindlich sind. Seit den ersten Heilversuchen am Menschen in den sechziger Jahren hat es fast zwanzig Jahre gedauert, bis die Schwierigkeiten, auch die der Immunsuppression, gut beherrschbar geworden sind. Die erste, erfolgreiche Leberverpflanzung ist 1967 Thomas Earl Starzl, damals an der University of Colorado in Denver, gelungen. Die von ihm transplantierte Patientin, ein knapp zweijähriges Mädchen, lebte 400 Tage mit der fremden Leber, ein wenig später ebenfalls lebertransplantiertes Kind schon knapp drei Jahre. Die Lebertransplantation gehört in Deutschland seit den achtziger Jahren zur Routineversorgung an erfahrenen Zentren. 1997 wurden in der Bundesrepublik 762 Lebern verpflanzt, etwas mehr als tausend während nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation nötig gewesen. Ein Drittel der Patienten, die auf der Warteliste stehen und kein Organ bekommen, stirbt. In den immunologischen Eigenschaften fällt die Leber „aus dem Rahmen“. Während sich bei der Niere schon früh abzeichnete, dass eine gute Übereinstimmung der HLA-Antigene günstig für den Langzeiterfolg ist und dies auch für das Herz zu gelten scheint, bewirken ein oder zwei fehlende Übereinstimmungen zwischen Spender und Empfänger bei der Leber offenbar, dass Abstoßungsreaktionen etwas seltener vorkommen als bei völliger Übereinstimmung. Immunologen rätseln noch, was der entscheidende Faktor für dieses Phänomen sein könnte, sind aber über Hypothesen derzeit noch nicht hinausgekommen. Maßgeblich für die Zuteilung einer Leber sind daher die Dringlichkeit, die Blutgruppe und die Größenverhältnisse. Zu große Organe können verkleinert werden. Splitting: eine Leber, zwei Empfänger Einige Zentren teilen auch die Lebern von hirntoten Spendern und übertragen sie zwei Empfängern (Splitting) oder verkleinern ein Organ auf eine für den Empfänger passende Größe. Beim Teilen war bisher die Gefahr für Komplikationen nach der Operation größer als bei der Verpflanzung ungeteilter Lebern. Auch funktionierten Split-Lebern von Anfang an oft schlechter als ganze Organe. Die Operationstechnik verbessert sich jedoch ständig, so dass dieses Risiko in Zukunft vermutlich wesentlich geringer und die Nutzung der zur Verfügung stehenden Organe optimiert werden wird. Das Leber-Splitting erfordert jedoch die Erfahrung von spezialisierten Chirurgen. Da die Leber nachwächst, konnte das Splitting auch als Grundlage für die Lebendspende von Teillebern verwendet werden. Meist spenden Eltern für ihr schwer leberkrankes Kind. Die Teilstücke der Drüse sind zwischen 120 und 250 Gramm schwer und regenerieren sich bei Spender innerhalb von ein paar Monaten. Eine Lebertransplantation ist ein großer Eingriff. Allein das kranke Organ zu entnehmen kann zwölf Stunden dauern. Treten nach der Operation keine größeren Komplikationen auf, verbringen die Patienten vier bis sechs Wochen im Krankenhaus. Mit einer speziellen Operationstechnik (Seit-zu-Seit-Gallengangsanastomose) lassen sich offenbar überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielen. Die Gefahr, dass undichte Stellen an den Nähten der Gallengänge auftreten und Komplikationen hervorrufen, ist bei diesem Verfahren geringer als bei anderen. In der Abstoßungsprophylaxe nach einer Lebertransplantation bewährt sich offenbar die neue Substanz Tacrolimus. Damit lassen sich vergleichsweise hohe Überlebensraten der Patienten erzielen: 91 Prozent der Transplantierten leben ein Jahr nach dem Eingriff, 85 Prozent noch nach fünf Jahren. Seit kurzem ist bekannt, dass das Geschlecht bei der Spender-Empfänger-Konstellation einen gewissen Einfluss auf die Erfolgsaussichten hat. Weibliche Spender erhöhen das Abstoßungsrisiko für männliche Empfänger. Auch die Konstellation weiblicher Empfänger/männlicher Spender scheint für die Empfängerin nicht so günstig zu sein wie die Leber einer Frau. Weil des aber zu wenig Organe gibt, wird man darauf vermutlich keine Rücksicht nehmen können. Auch kann der negative Einfluss eines Faktors durch positiv wirkende Bedingungen kompensiert werden. Wesentliche Aufgaben der Leber Aufbau (Neubildung) wichtiger Substanzen (z.B. Blutgerinnungsfaktoren, Energiespeicher) und Entgiftung (Abbau) von Stoffwechselprodukten. Zum Beispiel werden Kohlehydrate (Zucker, Stärke) in Depotfett umgewandelt und dieses im Unterhautfettgewebe gespeichert. Glykogen und Eiweiße werden in der Leber gespeichert und können bei Bedarf (körperliche Aktivität, Hunger) freigesetzt und in (Blut-) Zucker umgewandelt werden. Bildung von Gallensäuren, die für die Aufnahme der Fette aus der Nahrung und für die Verdauung der Fette notwendig sind. Bildung des Gallenfarbstoffes Bilirubin aus dem Abbau der roten Blutkörperchen. Entgiftung körperfremder Stoffe (Medikamente, Alkohol) und körpereigener Stoffwechselendprodukte (Harnsäure, Ammoniak). Wenn Sie nun (wieder) eine normal funktionierende Leber besitzen, unterliegen Sie nicht mehr denselben Diäteinschränkungen, die für Sie galten, als Sie noch eine schlechte Leberfunktion hatten. Insbesondere sind die Mengen von Eiweiß- und Kupferaufnahme nicht begrenzt. Eine gesunde Ernährung ist allerdings sowohl für die Dauer der Genesung als später ein wichtiger Beitrag für den Behandlungserfolg! |