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Der Wunsch kranke und verloren gegangene Körperteile zu ersetzen lässt sich weit zurückverfolgen. Die Geschichte der Transplantation ist in ihren Anfangszeiten vor allem die Geschichte der plastischen Chirurgie. Sie wurde praktiziert, nicht um Leben zu retten, sondern um Verunstaltungen oder Behinderungen auszugleichen. Es waren äußere, nicht innere Organe, die man verpflanzte. Die Nase war hiermit ein besonderes Transplantationsobjekt, was mit Hautlappen und Hautersatz vom eigenen Körper zu realisieren war. Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der experimentellen Chirurgie, in dem die Ärzte den Sprung von der plastischen Chirurgie zur Organtransplantation schafften. Bis dahin ging man davon aus, dass sowohl komplexe Krankheitsbilder wie auch örtlich begrenzte krankhafte Veränderungen Ausdruck für eine Erkrankung des gesamten Körpers waren. Hinter der Organtransplantation steht die Vorstellung, dass das Versagen eines einzelnen Organs ein komplexe Erkrankung hervorrufen kann und diese sich heilen lässt, wenn ein gesundes Organ eingepflanzt, die Funktion also ersetzt wird. Dieses Konzept hat sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Bis dahin wurde der Chirurg als Handwerker betrachtet, der nur unter der Leitung eines Arztes für innere Krankheiten tätig werden durfte. Im Jahr 1902 berichteten zwei Wissenschaftler über weitere für die Organtransplantation wichtige Forschungsergebnisse. Der Chirurg Emrich Ullmann hatte unten eine Niere entnommen und in die Leistengegend oder in der Halsregion verpflanzt. Die Ausscheidung der produzierten Niere stanken nach Urin. Damit war bewiesen, dass ein Organ auch dann funktionieren kann, wenn es von seiner natürlichen Lage entfernt und an einer anderen Stellen an den Blutkreislauf angeschlossen wird. Auch heute wird eine kranke Nieren in der Regel nicht am selben Ort durch eine gesunde ersetzt, sondern das fremdes Organ wird in den Unterbauch verpflanzt. In den früheren Jahren wurden die verschiedenen Transplantationsversuche dahingehend realisiert, dass die Blutgefäße der Versuchstiere über kleine Röhrchen miteinander verbunden wurden. Die Technik von dem Franzosen Alexis Carrel, von der Universität Lion beschrieb, dass Vernähen von Venen und Arterien mit Hilfe sehr dünnen Lainenfäden, welche in der heutigen Fachsprache als Anasthomosen bezeichnet werden. Dies war der Beginn der Organtransplantation, da in der Vergangenheit dies rein aus technischen Gründen scheitern musste, da die Gefäße nicht miteinander konsistent verbunden worden konnten. In den nächsten zwei Jahrzehnten wurden die Wissenschaftler immer wieder auf das Kernproblem der Transplantation zurückgeworfen, die Abstoßung. In den 30iger Jahren hatten amerikanische Ärzte bei Hautübertragung auf Verbrennungsopfern festgestellt, dass Spenden von eineiigen Zwillingen am besten einheilten, an zweiter Stelle rangierten Hautstücken von engen Verwandten der Unfallopfer. Bei nicht blutsverwandten Spendern waren die Ergebnisse schlecht. In den 40iger Jahren hat man festgestellt, dass die Abstoßung fremden Gewebes auf eine aktive Immunisierung zurückzuführen war und dass rascher ablief, wenn der Empfänger vom selben Spender ein zweites Mal ein Organ oder Gewebe erhielt. Damit waren schon die wesentlichen Prozesse beschrieben, die bei allogenen Transplantationen im Körper ablaufen: Das Gewebe wird abgestoßen, nachdem das Abwehrsystem es als fremd erkannt hat und wie einen potentiellen Krankheitserreger attackiert. Das Immunsystem reagiert um so schneller und heftiger, je unterschiedlicher die Gewebeeigenschaften sind und je häufiger und intensiver frühere Kontakte zu Zellen desselben Spenders waren, die ebenfalls schon eine Immunantwort ausgelöst hatten. Eine andere wesentliche Pionierarbeit gelang dem Forscher Karl Landsteiner auf dem Gebiet der Serologie. Landsteiner, Professor an der Universität Wien, entdeckte 1901 die Blutgruppen und klassifizierte sie im ABO-System. Er wies nach, dass zwischen dem Blut von Menschen, die verschiedene Blutgruppen haben, Unverträglichkeiten bestehen. Ähnliche Phänomene wie bei den Blutkörperchen, schlossen die Forscher damals, könnten auch die Unverträglichkeiten zwischen Geweben hervorrufen. Die Wiege für die operative Technik der Nierentransplantation steht in Paris, obwohl den französischen Forschern der große Durchbruch nicht gelang. Am 20sten Januar 1951 wurde einer 44jährigen Frau mit Nierenversagen, wahrscheinlich weltweit zum ersten Mal, das Organ eines lebenden Spenders nach einer Methode, die noch heute verwendet wird verpflanzt. Der Chirurg ersetzte das kranke Organ nicht an Ort und Stelle durch ein gesundes, sondern bettete die Spender-Niere außerhalb der Bauchhöhle in die Fossa iliaca. Anfangs funktionierte die Niere gut, dann aber traten Abstoßungsreaktionen auf, und 30 Tage später starb die Empfängerin. Die erste von dauerhaften Erfolg geprägte Organtransplantation war die Übertragung von einer lebend gespendeten Niere von einem 23jährigen Mann auf seinen eineiigen Zwillingsbruder. Unter der Leitung von Joseph E. Murray operierte ein Team in Boston den Spender Ronald Herrick, der eine seiner gesunden Nieren spenden wollte, als auch seinen Bruder Richard, der an einem chronischen Nierenversagen litt. Es war der 23. 12.1954. Und die Niere funktionierte im Körper des Zwillingsbruders von Anfang an gut. Sie wurde, wie erwartet, nicht abgestoßen. Ein Langzeiterfolg zeichnet sich aber erst ab, als die beiden Brüder auch das nächste Weihnachtsfest bei guter Gesundheit zusammen verbrachten. Damit war der Beweis erbracht, dass eine Organübertragung heilen kann. Die wenigsten Menschen, die transplantiert werden müssen, haben einen eineiigen Zwilling, der ein Organ für sie spenden könnte. Daher betrachteten Murray und seine Mitarbeiter die Lebendspende nur als einen notwendigen Übergang auf dem Weg zur Organverpflanzung von unverwandten Toten. Sie versuchten die Abstoßungsreaktionen zwischen nicht verwandten Personen durch Strahlenbehandlung, zum Beispiel durch Ganzkörper-Röntgenbestrahlung zu unterdrücken. Eine Wende in der Immunsuppression und damit im Aufbruch in die heutige Ära der Transplantationsmedizin brachte 1958 die Entdeckung eines Medikaments, das normalerweise gegen Krebs eingesetzt wurde. Dieses Medikament hemmt das Immunsystem und ist das heute unter dem Namen Azathioprin bekannte Immurek. Im April 1962 wurde die erste nichtverwandte Niere transplantiert, die mit diesem Immunsuppressiven Schema behandelt wurden. Die Niere funktionierte länger als ein Jahr und diese Transplantation galt später als der erste gelungene Versuche, ein Organ von einen fremden Toten zu transplantieren. Auch heute ist Azathioprin noch eine der tragenden Säulen für die Unterdrückung der Abstoßung nach Organtransplantationen. Es wird häufig mit Cortison kombiniert, einem entzündungs-hemmenden Nebennierenrindenhormon, das man in den dreißiger Jahren entdeckt hatte. Einen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Organtransplantation war die Entdeckung von Cyclosporin A Anfang der siebziger Jahre. Ein Mitarbeiter der Firma Sandoz in Basel hatte aus einem Urlaub in Norwegen eine Handvoll Erde mitgebracht. Man suchte damals überall nach neuen, therapeutisch wirksamen Substanzen. Die Mikrobiologen isolierten aus der Bodenprobe einen Pilz, welcher ein Stoffwechselprodukt enthielt, das sie Cyclosporin A nannten und das sich in Tierversuchen bald als wirksames Immunsuppressivum erwies. 1983 wurde Cyclosoporin A zur Immunsuppression nach Organtransplantationen zugelassen. Die Ein-Jahres-Funktionsraten von Organen besserten sich schlagartig um circa 20 Prozent im Vergleich zur Behandlung mit Azathioprin und Cortison. Danach wurde auch verstärkt die Möglichkeiten der Transplantation anderer Organe, (z.B. Herz und Leber) erforscht. 1963 erfolgte die erste Leber- und Lungen-, 1967 Herz- und Pankreastransplantation an einem Menschen. Die ersten Jahre waren sehr schwierig und die Erfolge wenig ermutigend. Der Durchbruch in der Transplantationsmedizin gelang mit der Entdeckung und Anwendung des Medikamentes Ciclosporin A. Dieses Mittel war erstmals in der Lage die Abwehrreaktion des Körpers auf die "fremden" Organzellen erfolgreich zu unterdrücken. Seither ist es möglich chronische, d.h. ansonsten nicht heilbare Erkrankungen oder Organausfälle mit der Methode der Organtransplantation erfolgreich zu behandeln. Weiter, eventuelle noch wirksamere gegen eine Abstoßungsreaktion gerichtete Medikamente werden entwickelt bzw. schon klinisch erprobt. Somit ist in der weiteren Zukunft mit noch besseren Ergebnissen zu rechnen. Die Organtransplantation ist mittlerweile zu einem ausgereiften Behandlungsverfahren weiterentwickelt worden. Das experimentelle Stadium der Transplantation ist seit langem überwunden. So können z.B. Patienten im Endstadium einer Lebererkrankung nach der Transplantation mit dem neuen Organ ein fast normales und zufriedenes Leben führen. Der Erfolg einer Behandlungsmethode wird in der Medizin u.a. daran gemessen, wie viele Monate oder Jahre Patienten nach einer bestimmten Behandlungsmethode weiterleben. Im allgemeinen werden hierzu statistische Überlebenszeiten von 1, 3 und 5 Jahren benutzt. Für die Nieren-, Herz-, und Lebertransplantation ergeben sich beispielsweise folgende Überlebenszeiten: 1 - Jahres Überlebenszeit: Nierentransplantation: ca. 95 % Herztransplantation: ca. 80 - 90 % Lebertransplantation: ca. 90 % Pankreastransplantation: ca. 90 % 5 - Jahres Überlebenszeit: Nierentransplantation: ca. 85 % Herztransplantation: ca. 72 % Lebertransplantation: ca. 85 % Pankreastransplantation: ca. 70 % Mit der Beschränkung der 5-Jahresüberlebenszeit soll nicht ausgesagt werden, dass danach das Überleben beendet ist. Man geht im allgemeinen davon aus, dass nach 5-Jahren Überleben keine größere Gefahr besteht, dass transplantierte Organ zu verlieren. Die meisten transplantierten Patienten können nach einer entsprechenden Rehabilitationszeit wieder ihr früheres aktives Leben in der Gesellschaft aufnehmen. Egal ob in der Familie, im Beruf oder in der Freizeit einem normalen Leben, mit täglicher Medikamenteneinnahme, steht nichts mehr im Wege. Selbst sportliche Hochleistungen, Schul -Studienabschlüsse, Schwangerschaften sind nach Organtransplantationen möglich. |